top of page

FSJ und Politik: Warum freiwilliges Engagement die Zukunft stärkt

von Tabea Schweikert 


In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen gewinnen freiwillige

Engagementformen wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) enorm an Bedeutung. Sie bieten

jungen Menschen Orientierung und leisten einen wertvollen Beitrag zum sozialen

Zusammenhalt. Die politische Debatte um das FSJ zeigt deutlich: Es geht nicht nur um

individuelle Erfahrungen, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft.

Freiwilligendienste 2030: Eine Vision wird Wirklichkeit.

Die Vision für das Jahr 2030 ist klar formuliert: Mehr Menschen sollen Zugang zu

Freiwilligendiensten erhalten, egal welcher Herkunft, Einkommen oder körperlicher

Verfassung. Dabei werden drei zentrale Bausteine beschrieben, die das Fundament für die

Freiwilligen bilden.


Ein Rechtsanspruch auf Freiwilligendienst. Niemand soll mehr durch Glück oder Zufall einen

Platz im FSJ erhalten. Jeder, der sich engagieren möchte, soll auch die Möglichkeit dazu

bekommen. Ein gesetzlich verankerter Anspruch würde nicht nur Planungssicherheit

schaffen, sondern auch gezielt benachteiligte Gruppen einbeziehen.

Freiwilligengeld auf BAföG-Niveau Engagement darf nicht am Geld scheitern. Mit einem

staatlich finanzierten Freiwilligengeld, das sich am BAföG-Höchstsatz orientiert, würde das

FSJ für alle jungen Menschen, unabhängig vom Elternhaus zu einer echten Option.

Einladung an alle Schulabgänger*innen , damit der Freiwilligendienst kein Nischenangebot

bleibt, sollen alle Schulabgänger*innen bundesweit aktiv eingeladen und individuell beraten

werden. Das macht Engagement konkret und greifbar.

Politische Perspektiven: Wie stehen die Parteien zum FSJ?


Trotz ideologischer Unterschiede erkennen alle großen Parteien die Bedeutung des FSJ an.

Allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen:

CDU: Sie sieht das FSJ als möglichen Bestandteil eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres

und auch als Ersatz für die ausgesetzte Wehrpflicht.

SPD: Klare Absage an Pflichtdienste, stattdessen Fokus auf Freiwilligkeit, bessere Bezahlung

und strukturelle Stärkung.

Grüne: Setzen auf mehr Teilzeitoptionen, bessere Anerkennung und eine massive

Ausweitung der Angebote.

FDP: Gegen Pflichtdienste, dafür offen für alle Altersgruppen und für mehr Flexibilität .Die

Linke: Fordert faire Vergütung und bietet eigene FSJ-Stellen an.AfD: Positioniert sich uneinheitlich, ohne konkrete Weiterentwicklungsansätze für das FSJ.

FSJ vs. Pflichtjahr: Die Kontroverse

Die Debatte über ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr polarisiert. Während CDU den

Pflichtdienst befürworten, sprechen sich SPD, FDP und Die Linke strikt dagegen aus. Sie

setzen auf Stärkung freiwilliger Angebote. Die AfD hingegen fordert primär die Rückkehr zur

Wehrpflicht.


Verbesserte Bedingungen: Einigkeit mit Spielraum

Die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen vereint die Parteien. Ob mehr finanzielle

Unterstützung, Mobilitätszuschüsse, Teilzeitmodelle oder flexiblere Zugangsmöglichkeiten,

der Konsens ist klar: Engagement muss attraktiver werden.

Politisches Engagement fördern: FSJ als Einstieg in die Politik?

Ein oft übersehener Aspekt ist die politische Einbindung im FSJ. CDU, Grüne und Die Linke

bieten bereits heute Stellen in politischen Institutionen. Die SPD stärkt die öffentliche

Wahrnehmung freiwilligen Engagements. Die FDP bleibt eher zurückhaltend, während die

AfD in diesem Bereich kaum aktiv ist.

Koalitionsvertrag: Chancen für die Freiwilligendienste

Die aktuelle Bundesregierung setzt wichtige Impulse:

• Strukturelle Stärkung

• Erhöhung des Taschengeldes

• Offenheit gegenüber Vision 2030

• Klares Nein zur Dienstpflicht

Diese Punkte verdeutlichen: Freiwilliges Engagement ist politisch gewollt und wird

zunehmend systematisch gefördert.


Ausblick: Neue Formate und offene Fragen

Mit der Überlegung eines neuen Wehrdienstes nach schwedischem Vorbild und dem

geplanten Freiwilligendienst im Bevölkerungsschutz betreten wir politisches Neuland. Auch

das „Freiwillige Handwerksjahr“, welches aktuell ein Modellprojekt darstellt, zeigt, wie

vielfältig Freiwilligendienste zukünftig gedacht werden könnten.

Gleichzeitig entsteht ein neues Amt für Sport und Ehrenamt, was ein deutliches Zeichen ist,

dass zivilgesellschaftliches Engagement in den Mittelpunkt der politischen Agenda rückt.


 
 
 

Kommentare


bottom of page