FSJ und Politik: Warum freiwilliges Engagement die Zukunft stärkt
- Joana Zimmermann

- 23. Juni 2025
- 2 Min. Lesezeit
von Tabea Schweikert
In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen gewinnen freiwillige
Engagementformen wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) enorm an Bedeutung. Sie bieten
jungen Menschen Orientierung und leisten einen wertvollen Beitrag zum sozialen
Zusammenhalt. Die politische Debatte um das FSJ zeigt deutlich: Es geht nicht nur um
individuelle Erfahrungen, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft.
Freiwilligendienste 2030: Eine Vision wird Wirklichkeit.
Die Vision für das Jahr 2030 ist klar formuliert: Mehr Menschen sollen Zugang zu
Freiwilligendiensten erhalten, egal welcher Herkunft, Einkommen oder körperlicher
Verfassung. Dabei werden drei zentrale Bausteine beschrieben, die das Fundament für die
Freiwilligen bilden.
Ein Rechtsanspruch auf Freiwilligendienst. Niemand soll mehr durch Glück oder Zufall einen
Platz im FSJ erhalten. Jeder, der sich engagieren möchte, soll auch die Möglichkeit dazu
bekommen. Ein gesetzlich verankerter Anspruch würde nicht nur Planungssicherheit
schaffen, sondern auch gezielt benachteiligte Gruppen einbeziehen.
Freiwilligengeld auf BAföG-Niveau Engagement darf nicht am Geld scheitern. Mit einem
staatlich finanzierten Freiwilligengeld, das sich am BAföG-Höchstsatz orientiert, würde das
FSJ für alle jungen Menschen, unabhängig vom Elternhaus zu einer echten Option.
Einladung an alle Schulabgänger*innen , damit der Freiwilligendienst kein Nischenangebot
bleibt, sollen alle Schulabgänger*innen bundesweit aktiv eingeladen und individuell beraten
werden. Das macht Engagement konkret und greifbar.
Politische Perspektiven: Wie stehen die Parteien zum FSJ?
Trotz ideologischer Unterschiede erkennen alle großen Parteien die Bedeutung des FSJ an.
Allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen:
CDU: Sie sieht das FSJ als möglichen Bestandteil eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres
und auch als Ersatz für die ausgesetzte Wehrpflicht.
SPD: Klare Absage an Pflichtdienste, stattdessen Fokus auf Freiwilligkeit, bessere Bezahlung
und strukturelle Stärkung.
Grüne: Setzen auf mehr Teilzeitoptionen, bessere Anerkennung und eine massive
Ausweitung der Angebote.
FDP: Gegen Pflichtdienste, dafür offen für alle Altersgruppen und für mehr Flexibilität .Die
Linke: Fordert faire Vergütung und bietet eigene FSJ-Stellen an.AfD: Positioniert sich uneinheitlich, ohne konkrete Weiterentwicklungsansätze für das FSJ.
FSJ vs. Pflichtjahr: Die Kontroverse
Die Debatte über ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr polarisiert. Während CDU den
Pflichtdienst befürworten, sprechen sich SPD, FDP und Die Linke strikt dagegen aus. Sie
setzen auf Stärkung freiwilliger Angebote. Die AfD hingegen fordert primär die Rückkehr zur
Wehrpflicht.
Verbesserte Bedingungen: Einigkeit mit Spielraum
Die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen vereint die Parteien. Ob mehr finanzielle
Unterstützung, Mobilitätszuschüsse, Teilzeitmodelle oder flexiblere Zugangsmöglichkeiten,
der Konsens ist klar: Engagement muss attraktiver werden.
Politisches Engagement fördern: FSJ als Einstieg in die Politik?
Ein oft übersehener Aspekt ist die politische Einbindung im FSJ. CDU, Grüne und Die Linke
bieten bereits heute Stellen in politischen Institutionen. Die SPD stärkt die öffentliche
Wahrnehmung freiwilligen Engagements. Die FDP bleibt eher zurückhaltend, während die
AfD in diesem Bereich kaum aktiv ist.
Koalitionsvertrag: Chancen für die Freiwilligendienste
Die aktuelle Bundesregierung setzt wichtige Impulse:
• Strukturelle Stärkung
• Erhöhung des Taschengeldes
• Offenheit gegenüber Vision 2030
• Klares Nein zur Dienstpflicht
Diese Punkte verdeutlichen: Freiwilliges Engagement ist politisch gewollt und wird
zunehmend systematisch gefördert.
Ausblick: Neue Formate und offene Fragen
Mit der Überlegung eines neuen Wehrdienstes nach schwedischem Vorbild und dem
geplanten Freiwilligendienst im Bevölkerungsschutz betreten wir politisches Neuland. Auch
das „Freiwillige Handwerksjahr“, welches aktuell ein Modellprojekt darstellt, zeigt, wie
vielfältig Freiwilligendienste zukünftig gedacht werden könnten.
Gleichzeitig entsteht ein neues Amt für Sport und Ehrenamt, was ein deutliches Zeichen ist,
dass zivilgesellschaftliches Engagement in den Mittelpunkt der politischen Agenda rückt.




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